Erwachsenenbildung ist und bleibt eine wichtige Aufgabe

10 Jahre Volkshochschule – eine Erfolgsgeschichte!

Unscheinbar und doch bedeutend! So ist sie, unsere Volkshochschule Rottenburg. Was 1950 als Volksbildungswerk begann, hat sich bis heute kontinuierlich weiter entwickelt.

Die eigentliche Gründung des damaligen Volksbildungswerkes war am 27. März 1951 durch Eintragung in das Vereinsregister. Ziel und Zweck war es und ist es bis heute geblieben, sich auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung zu Betätigen. Seit seiner Gründung war das Volksbildungswerk Mitglied des Bayerischen Volkshochschulverbandes. Zur Anfangszeit startete man mit Vorträgen, Film- und Quizabenden, musikalischen Veranstaltungen aber auch Kurse wurden bereits angeboten.

Blättert man in den alten Unterlagen war zwar zunächst das Interesse aus der Bevölkerung sehr groß, aber noch viel größer waren die finanziellen Schwierigkeiten. Nachlassendes Interesse bei den Besuchern brachte das Volksbildungswerk des Öfteren an den Rand der Aufgabe. Die Unkostenbeiträge lagen damals bei 30 Pfennig – heute 15 Cent. Veranstaltungen gab es etwa 20 bis 40 im Jahr.

Das Volksbildungswerk entwickelte sich weiter. Fremdsprachenkurse in Englisch, Französisch und Italienisch, berufsfördernde Fortbildungskurse wie Buchführung, Maschinenschreiben, Wirtschaftsrechnen und Steno, später verschiedenste EDVKurse vom Einsteiger bis zum Experten, Gesundheits-, Entspannungs-, Koch- und Hobbykurse, Nähen, Sticken und Stricken, Autogenes Entspannungstraining, Selbstsicherheitskurse, Yoga, Rhetorik, Malen und Zeichnen, Holzschnitzen, Arbeiten mit Ton und Keramik, Emaillieren, Schminken Körperpflege, Raucherentwöhnung, Modelle bauen bis hin zu einem flugtüchtigen Segelflieger (kein Modell), Säuglingspflege, Gymnastik, Spinnen, Schach, Pannenhilfe für Autofahrer, Schwimmen (was es seit kurzem auch wieder gibt), Fotografieren, Bastelkurse aller Art und bis zur Gründung der städtischen Musikschule auch Musikunterricht. Allein an dieser Aufzählung lässt sich das außergewöhnliche Engagement der Kursleiter in all den Jahren nur erahnen. Für die Kurse wurden meist die örtlichen Schulhäuser genutzt. Später kamen Konzert-, Kultur- Theater- und Reiseveranstaltungen hinzu.

Vieles von damals ist gleich geblieben, bzw. gibt es noch heute - vieles hat sich verändert.

Im Jahr 2008 beschließt die damalige Vorstandschaft das Volksbildungswerk Rottenburg e. V. in die Volkshochschule Rottenburg e.V. umzubenennen.

Diese Umbenennung zum 01. Januar 2009 war jedoch nicht nur eine Namensänderung, sondern auch eine ganz entscheidende Strukturveränderung. Über viele Jahrzehnte lief die gesamte Organisation ausschließlich unter ehrenamtlicher Arbeit. Dafür möchte ich mich auch heute bei allen,die sich über Jahrzehnte eingebracht haben, ganz herzlich bedanken. Josef Wiesmüller, Ludwig Rauchenecker, Hans Weinzierl, Helmut Zellner und Armin Mirlach möchte ich an der Stelle besonders erwähnen, stellvertretend für viele weitere. Was hier geleistet wurde verdient vor allem in Bezug auf Herrn Mirlach und Herrn Zellner höchste Anerkennung.

Zum Zeitpunkt dieser Umstrukturierung bestand bereits seit mehreren Jahren ein sehr enger Kontakt zur VHS Mainburg, einer Vorzeigevolkshochschule in ganz Niederbayern. Diese Kontakte führten dazu, dass verschiedene überregionale Kurse in Gebäuden der ehemaligen Kaserne angeboten werden konnten. Um daraus eine langfristige Entwicklung werden zu lassen war es notwendig, geeignete Räume anbieten zu können. Diese Voraussetzungen konnten dann mit dem Umbau „Haus der Vereine“ in der ehemaligen Kaserne geschaffen werden. Zu den Schlüsselfiguren zu dieser Zeit zählen ganz sicher Hans und Marianne Dasch, als Vorsitzender bzw. Geschäftsführerin der Volkshochschule Mainburg, die die angestrebte Zusammenarbeit letztlich zu einer Kooperation führten. Damit verbunden war die Einrichtung einer Geschäftsstelle mit Seminarräumen in Rottenburg im „Haus der Vereine“. Die Geschäftsführung wurde Marianne Dasch übertragen. Zusätzlich wurde eine Verwaltungskraft angestellt. Damit war der Weg für eine weitere gute Entwicklung der Erwachsenenbildung in Rottenburg unter Einbindung der höchstmöglichen fachlichen Kompetenz geebnet. Auch wenn die Kernaufgabe, nämlich die Erwachsenenbildung, die gleiche geblieben ist, so ist die heutige Volkshochschule nicht mehr damit vergleichbar.

 

 Ehrungen VHS

1. Bürgermeister Alfred Holzner mit den Geehrten Helmuth Zellner, Armin Mirlach und Franz Pritsch, Bildquelle: Thomas Gärtner

 

Was hat sich in den letzten zehn Jahren verändert?

 

Nach der Einrichtung der Kurs- und Seminarräume, sowie einer Geschäftsstelle im „Haus der Vereine“, werden die allermeisten Veranstaltungen nun dort abgehalten. Aus einer bis dahin ehrenamtlich geführten Organisation wurde ein „Unternehmen“ mit zwischenzeitlich 25 Beschäftigten. Und aus Jahreseinnahmen und –ausgaben von rund 20.000 Euro gilt es im aktuellen Haushalt rund eine halbe Million Euro in den Einnahmen und Ausgaben abzuwickeln.

In den letzten 10 Jahren konnten aber auch noch verschiedene Kooperationen abgeschlossen werden. Zu den Kooperationspartnern gehört das Reisebüro Amberger zur Durchführung von Reisen, das Küchenstudio Past, wo verschiedene Kochkurse stattfinden, das Landshuter Kommunalunternehmen für Medizinische Versorgung (LAKUMED ) als der größte medizinische Dienstleister in der Region Landshut, welches Vorträge zu verschiedenste Gesundheitsthemen abhält. Im Bereich Gesundheit kooperieren wir außerdem mit der AOK Landshut. Das Bayerische Rote Kreuz hält einmal monatlich „Erste-Hilfe-Kurse“ in unseren Räumen ab. Und nicht zuletzt die Stadt Rottenburg und der Landkreis Landshut, wo die Volkshochschule an der Grundund Mittelschule, sowie an der Förderschule die gesamte Verantwortung für die offene Ganztagsschule übernommen hat. Hier bemüht sich bestens qualifiziertes Personal tagtäglich um rund 150 Kinder in der Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung.

Oft keine einfache Aufgabe in Zeiten zunehmender Migration. Viele Kinder und damit meine ich nicht nur Asylsuchende, kommen an diese Einrichtungen, ohne ein einziges Wort Deutsch zu sprechen. Sehr viele Kinder stammen aber auch aus sozial schwierigen oder schwierigsten Verhältnissen. Gerade für diese Kinder ist die Betreuung am Nachmittag und die Unterstützung bei der Erledigung der Hausaufgaben nicht nur dringend notwendig, sondern ein Segen.

Aus einer Einrichtung die sich früher vorrangig im Bereich der Erwachsenenbildung engagierte, ist zwischenzeitlich eine Bildungseinrichtung für alle Altersgruppen geworden. Mit über 175 Kursangeboten übernimmt unsere Volkshochschule auch heute noch eine nicht wegzudenkende Fort- und Weiterbildungsaufgabe in den Bereichen Sprache, Beruf, Gesundheit, Kultur, Grundbildung, Gesellschaft und Gesundheit. Neu sind dabei die Integrations- u Alphabetisierungskurse in einer sich verändernden Gesellschaft, womit wir als Volkshochschule eine wichtige Grundlage zur Integration leisten.

Nach 10 Jahren lohnt sich aber nicht nur ein Blick zurück, sondern auch nach vorne!

 

Brauchen wir auch in Zukunft eine solche Bildungseinrichtung bzw. welche Aufgaben stellen sich ihr?

 

In einer sich immer schneller verändernden Welt, in Zeiten wo das soziale Gefüge weiter auseinander driftet und der Staat im schulischen Bereich weit hinter seinen eigenen Ansprüchen hinterherhinkt, sind Einrichtungen wie unsere Volkshochschule dringend notwendig. Wir schließen immer wieder Lücken, wo sie entstehen!

Das lebenslange Lernen ist in unserer Zeit, in der wir einer wahren Informationsflut gegenüber stehen, die wir kaum noch vernünftig kanalisieren können, ein zwingende Notwendigkeit, die nicht nur über die persönliche Entwicklung entscheidet sondern in immer größeren Maße auch den künftigen Weg unserer gesamten Gesellschaft bestimmen wird.

Dies liegt vor allem daran, dass wir kaum mehr in die Waagschale des Wohlstands werfen können als unser Wissen und unser Können. Aber das ist ja eine ganze Menge, vor allem dann, wenn man alle Möglichkeiten ausschöpft die sich bieten.

Das Wissen vervielfältigt sich in immer kürzeren Zeitabständen, die Verfügbarkeit von Wissen wird immer mehr weltumspannend, und doch bleiben zahlreiche Nischen und Lücken. Fast zwangsläufig nimmt mit dieser Menge an Information und Wissen auch die Spezialisierung zu und das Allgemeinwissen scheint man in den Hintergrund drängen zu wollen.

Eine bedenkliche Entwicklung, deren Auswirkungen sich schon in manchen Bereichen in negativer Weise abzeichnen. Hinzu kommt ein Bildungsgefälle, das nicht nur selektiv wirkt, sondern auch unsere Gesellschaft auseinander driften lässt. Neben der Armutsfalle, in die ganz offensichtlich immer mehr Menschen geraten, gibt es eine nicht minder gefährliche Sozialisierung.

Kinder, die aus welchen Gründen auch immer, die Bildungsmöglichkeiten nicht wahrnehmen können, beraubt man ihrer Lebensperspektive.

Eine Bildungspolitik, die den Schwächeren und Langsameren einfach aussortiert, weil man keine Zeit und kein Geld hat ihn mitzunehmen, ist nicht nur in höchstem Maße unsozial sondern nicht zuletzt auch menschenverachtend.

Bildung ist heute mehr denn je die Eintrittskarte in die Mitte unserer Gesellschaft. Das heißt, dort wo der Staat versagt, werden Institutionen wie unsere Volkshochschule in Zukunft noch mehr gefordert sein, mit ergänzenden Maßnahmen zu begleiten und zu unterstützen. Die Volkshochschulen werden also ganz sicher auch in Zukunft nichts an Bedeutung verlieren, im Gegenteil, sie werden in Zukunft in der Bildungslandschaft eine noch wichtigere Rolle spielen, als dies heute schon der Fall ist.

Unser Dank gilt allen Referenten, Kursleitern und Kooperationspartnern. Außerdem danken wir der Geschäftsführung Frau Neuber und Frau Lang, sowie der gesamten Vorstandschaft und allen Unterstützern der Volkshochschule. 

 

Mitarbeiter VHS

1. Bürgermeister Alfred Holzner mit Rosemarie Lang und Elke Neuber von der VHS, Bildquelle: Thomas Gärtner