Hausarztmangel wird sich weiter verschärfen

Hausärztlicher Planungsbereich drohend unterversorgt

Die Situation in der hausärztlichen Versorgung wird zunehmend schwieriger. Auch wenn die Zahl der Hausärzte vor Ort (noch) ausreichend ist (sieben), so zeichnet sich doch ab, wo die Reise hingeht. Zwischenzeitlich ist neben dem Planungsbereich Vilsbiburg auch der Planungsbereich Essenbach, dem auch unser Stadtgebiet zugeordnet ist, „drohend unterversorgt“.

Karte Planungsbereich

Diese Entwicklung kam nicht überraschend. Durch die Neustrukturierung der Planungsbereiche und der damit verbundenen Ausgliederung der Stadt Landshut und deren Umlandgemeinden aus dem bisherigen Planungsgebiet, wurde das Problem der mangelnden Versorgung der ländlichen Bereiche aber endlich sichtbar.

Alter und Geschlecht der ÄrzteFür diese Neustrukturierung haben wir uns genau aus diesem Grund so stark eingesetzt. Auch wenn wir damit noch nichts verbessert haben, aber nun ist der Versorgungsgrad ablesbar und fordert die Verantwortlichen, in erster Linie die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), zum Handeln.
Der Planungsbereich Essenbach ist einer von neun in ganz Bayern, wo drohende Unterversorgung herrscht. Zwei weitere Planungsbereiche in Nordbayern sind bereits unterversorgt. Insbesondere die Altersentwicklung ist besorgniserregend. Demnach sind derzeit etwa 34 Prozent der niedergelassenen Hausärzte in Bayern älter als 60 Jahre. Im vergangenen Jahr beendeten laut KVB 414 Hausärzte ihre Praxistätigkeit – 87 Praxen konnten trotz aufwendiger Suche nicht nachbesetzt werden. Das bedeutet, dass die Unterversorgung in den nächsten Jahren uns erst noch richtig treffen wird. In der Region Landshut ist mehr als die Hälfte zwischen 50 und 60 Jahre und 33 Prozent sind über 60 Jahre alt. Mit einem Altersdurchschnitt im Planungsbereich Essenbach von fast 57 Jahren liegen wir um rund zwei Jahre über dem Altersdurchschnitt im Freistaat. Lediglich 15 Prozent sind jünger als 45 Jahre.
Der Anteil der Nachwuchsmediziner, die ihre Facharztprüfung im Fach Allgemeinmedizin ablegen, liegt in Bayern bei zehn bis zwölf Prozent in etwa. Um den Bedarf zumindest zahlenmäßig zu decken wären mindestens 20 Prozent notwendig. Der demografische Wandel und unser derzeitiges Bevölkerungswachstum gerade in der ZAltersverteilung der Ärzteuzugsregion Landshut ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Der aktuelle Versorgungsatlas beruht auf den Bevölkerungszahlen aus 2015.
Außerdem wird der Beruf des Hausarztes weiblicher. Rund 40 Prozent der Hausärzte sind weiblich. Familiär bedingt sind die Praxiszeiten bei den Ärztinnen verständlicherweise meist kürzer. Aber auch bei den männlichen Kollegen sind die Präsenzzeiten kürzer, als das früher der Fall war. Kürzlich formulierte ein Mitglied der KVB ganz treffend, „eigentlich wären für zwei ausscheidende Kollegen drei neue nötig“.
Für drohend unterversorgte Planungsbereiche gibt es zwar Förderprogramme der KVB. Wie weit diese letztlich den Mangel abfedern können bleibt abzuwarten, auffangen werden sie ihn voraussichtlich nicht. Den Gemeinden selbst, sind nahezu die Hände gebunden. Wir können lediglich an ganz kleinen Stellschrauben drehen, für gute Rahmenbedingungen sorgen und ein möglichst attraktives Umfeld schaffen.
Wir sollten auf jeden Fall unsere derzeitige (noch) gute Situation zu schätzen wissen.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter folgenden Links:
www.kvb.de/fileadmin/kvb/dokumente/UeberUns/Versorgung/KVB-Versorgungsatlas_Hausaerzte.pdf
www.kvb.de/fileadmin/kvb/dokumente/Praxis/Bedarfsplanung/KVB-Bedarfsplanung-Uebersicht-Unterversorgung-in-Bayern.pdf

 

 

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