Zusätzlicher Retentionsraum von 10.000 Kubikmeter geschaffen

Renaturierung des Franzosengrabens

Im Rahmen des Labertalprojekts waren neben der Flächenneuordnung mit dem Ziel einen möglichst durchgehenden Gewässerschutzstreifen zu bilden, auch verschiedene bauliche Maßnahmen umzusetzen

Blende Franzosengraben

Die größte Maßnahme war dabei die Renaturierung des Franzosengrabens zwischen Schaltdorf und Högldorf, wo er sich durch seinen geradlinigen Verlauf auch sehr stark eingetieft hatte und damit Uferabbrüche verursachte. Aufgrund der Sohlfixierung im Bereich der Überbrückung durch die LA 35 haben in diesem Abschnitt keine Eintiefungsprozesse stattgefunden.
Durch die anhaltend trockene Witterung der letzten Monate, konnten die Maßnahmen am Gewässer problemlos umgesetzt werden. Die Schwerpunkte waren die Absenkung des links- und rechtsseitigen Auenbereichs bis ca. 10 cm über Mittelwasserlinie in variierenden Breiten und mit einem leichten Quergefälle zum Gewässer um Fischfallen zu vermeiden. Außerdem wurde mit dem Einbau flacher Buhnen, Steinschüttungen und sogenannten Störelemente aus Holz (Wurzelstöcke oder Rundholz) eine eigendynamische Gewässerbettentwicklung initiiert.
Die Ansaat mit Heudrusch oder anderem autochthonem Saatgut erfolgt noch. Die abgesenkten Flächen werden einer eigendynamischen, natürlichen Entwicklung in Richtung Weichholzaue überlassen.
Durch diese Maßnahmen gibt es keine Einengung von Abflussquerschnitten im Gewässerbett mehr. Mit dem Aushub wurde das Retentionsvermögens der Aue um rund 10.000 Kubikmeter erhöht. Erfreulicherweise wurde nahezu das gesamte Material auf landwirtschaftlichen Flächen außerhalb des Talraumes weiterverwendet. Hierfür ein herzliches Vergelt´s Gott bei den Landwirten, die zum Großteil das Material selbst abgeholt hatten.
Langfristig verbessern wir damit Gewässerqualität durch Ausfilterung und Festlegung von Sedimenten bei Hochwasserereignissen sowie Vorfilterung von Drainageeinläufen. Durch den geringeren Nährstoffeintrag und mehr Beschattung durch die Pflanzung von Ufergehölzen, lässt sich das Pflanzenwachstum im Gewässer reduzieren und die Selbstreinigungsfähigkeit des Gewässers durch Strukturanreicherung verbessern. Durch die Uferabflachungen in den Retentionsräumen werden außerdem die Versickerungs- und Grundwasserneubildungsraten erhöht.
Aber auch für die Gewässerökologie, Natur und Landschaft, die Landwirtschaft und
die Fischerei bringen die jeweiligen Maßnahmen Vorteile und die Regulierungsfunktion der Aue für das Abflussgeschehen wird ertüchtigt. Damit verringert sich das Überschwemmungsrisikos für landwirtschaftliche Flächen im Unterlauf ohne Beeinträchtigungen im Oberlauf.
Der Franzosengraben und die angrenzende Aue erfahren eine deutliche Aufwertung in ihrer Lebensraumfunktion. Strukturdiversität des Gewässerbettes, Pflanzung von Ufergehölzen, Verbesserung der Wasserqualität und Verringerung der Sohlverschlämmung, Vermeidung von Fischfallen bei Hochwasserereignissen, Aufwertung der Biotopfunktion der Aue durch Schaffung
wechselfeuchter Auenflächen, Entwicklung von artenreichem Extensivgrünland mit anschließender freier Sukzession sind einige Beispiele dafür.
Die Kosten für diese Maßnahmen belaufen sich auf rund 100.000 Euro und werden federführend vom Amt für ländliche Entwicklung durchgeführt. Der Eigenanteil der Stadt beträgt 20 Prozent.
Die gesamte Planung und die damit verbundenen Maßnahmen wurden mit den Fachstellen des Naturschutzes, der Fischerei, des Vogelschutzes und der Wasserwirtschaft abgestimmt und von der Vorstandschaft der Teilnehmergemeinschaft des Flurneuordnungsverfahrens „Unteres Labertal“ so beschlossen und freigegeben. Die Stadt Rottenburg dankt dem Amt für ländliche Entwicklung, allen Fachstellen, den Landwirten, dem Planungsbüro und der Bauausführenden Firma Kerscher Landschaftsbau aus Moosthenning für den reibungslosen Ablauf.
Mit der endgültigen Besitzeinweisung und der Umschreibung der Grundstücke im Grundbuch wird das 2009 gestartete „Labertalprojekt“ voraussichtlich Mitte kommenden Jahres seinen Abschluss finden.